Fr
04
Jun
2010
Nachdem wir den Soundcheck abgeschlossen hatten, hatten wir wieder einige Zeit für uns und unsere verquere Gedankenwelt.
Wir gesellten uns also zur Theke, wo wir uns noch ein Bierchen gönnten.
Mittlerweile waren die Tore des Alten Schlachthofs geöffnet und die Fans strömten rein wie Tiere auf dem Weg zur Schlachtbank.
Ein passender Vergleich.
Immerhin hatten wir geplant, das Publikum für volle 30 Minuten mit hochfrequenten Tönen und Kettensägen zu malträtieren.
Ein Vorhaben, welches wir aus finanziellen Gründen leider nicht verwirklichen konnten.
Stattdessen mussten wir uns kurzfristig ein alternatives Programm ausdenken.
Also setzten wir uns eine Stunde vor unserem Auftritt an besagte Theke und schrieben schnell 5 Lieder.
Irgendwie war das zeitlich allerdings nicht genug, so dass wir uns entschlossen das erstbeste Lied zu covern, das uns einfiel.
Im Radio lief „Hit Me Baby One More Time“ von Britney Spears.
Aufgrund der stets wundervollen Lyrics nennen wir sie intern nur noch „Britney 'Shake'-Spears“.
Unser Alternativprogramm war fertig.
Die Setlist bestand nun aus:
Dirty Water
Untitled
Waste of War
Jeffrey Miller
Hit Me Baby
Petrol Patrol
Der gesamte Prozess, vom Zeitpunkt an dem wir feststellten, dass es nichts wird mit der Folterei, über das Schreiben von 5 Songs und Auswählen eines Covers, bis hin zur Vollendung einer Setlist, nahm ca. 7 Sekunden in Anspruch – inkl. Bier.
Ok, jetzt mal in aller Ernsthaftigkeit weiter:
Irgendwann wurden wir dann gebeten, unseren Transporter hinters Haus zu fahren.
Wir – in erster Linie ich - nutzten diese Gelegenheit um noch eine zu rauchen.
Als wir dann später wieder ankamen, wurden wir schon gesucht.
Wir dachten uns: „Oh je! Auftritt verpennt oder was ist los??“
Aber nein: „Matthias! Du hast doch n Feuerzeug! Wir nämlich nicht, und irgendwie müssen wir die Wärmeplatten vom Catering anmachen.“
Die Stimmung stieg ins unermessliche.
Um Punkt 20:32 Uhr, also mit zwei Minuten Verspätung enterten Jörg und ich dann die Bühne.
„Guten Abend! Wir sind Tomorrow aus Aurich!“ rief ich ins Publikum.
Ich hatte vergessen, dass da ja noch ein Mikrophon rumstand.
Ohne großes Gerede stimmte Jörg die ersten Töne von „Dirty Water“ an.
Dann stieg ich mit Gitarre und Gesang mit ein.
Alle Zuschauer die sich Sekunden vorher noch stirnrunzelnd gefragt hatten, wo wohl der Rest der Band versteckt ist waren nun endgültig verwundert wie es wohl möglich ist, so einen satten Sound mit Schlagzeug, Gitarre und Gesang hinzubekommen.
Die Lösung auf dieses Rätsel: Jörg ist der beste Schlagzeuger der Welt und sobald die erste Faser Holz seiner Sticks die Felle seines Schlagzeugs berührt ist es als würden tausend kleine Engelein ihren Zorn in die Welt hinausbrüllen.
Das Publikum stand nach 2 Minuten und 36 Sekunden Spielzeit fassungslos vor der Bühne.
Es dauerte nochmal ca. 5 Sekunden bis jedem Einzelnen klar wurde das soeben der Grundstein für eine musikalische Weltrevolution gelegt wurde und es entfesselte sich tosender Applaus.
Aus dem Augenwinkel konnte ich Chad und Chuck von State Radio am Rande des Publikums sehen.
Daumen hoch!
Weiter ging es mit unserem bislang unbetitelten Song „Untitled #1“.
Als wir diesen beendet hatten und das von Tanz und Bier schwitzende Publikum sich langsam beruhigte, wollte ich mich noch kurz von meiner wohltätigen Seite präsentieren und gleichzeitig ein paar Fakten zu unserer Band sagen.
„...Normalerweise spielen wir ja nur in Seniorenheimen und bringen unseren Fans dort die originalen Tomorrow-Heizdecken mit. Aber irgendwie dachten wir uns, mensch, Alter Schlachthof und so... da muss mal n T-Shirt her... Also haben wir mal eins probeweise herstellen lassen.
Möchte das jemand haben?“
Hinten links schossen gierige Hände in die Luft ich warf das Shirt geschickt in besagte Richtung [wenn der oder die Fänger(in) das hier liest: schick uns doch mal n Foto von dir im Shirt zu! Das wär super!] und nahm einen Schluck Wasser.
Es ging dann auch zügig weiter im Programm mit „Waste of War“ und „Jeffrey Miller“.
Dann spielten wir „Hit Me Baby“ von Shake-Spears.
Wir hatten noch Zeit für exakt einen einzigen Song.
„Petrol Patrol“ war unser Finale.
Es wurde das großartigste Konzert-Finale das die Welt jemals sah!
Perfekt.
...Fortsetzung folgt...